Forschungsbericht - Neubau ökologisches Gemeindezentrum Ludesch

Gemeindezentrum Ludesch
Haus der Zukunft

Neubau ökologisches Gemeindezentrum Ludesch



 
Inhalt
Vorwort
Aufgabenstellung
Grundlagen
Projektumsetzung

Endbericht


Berichte aus Energie- und Umweltforschung Ziffer/2006

 

Autoren:

DI R. Wehinger/Architekturbüro ZT Kaufmann Ges.m.b.H
Dr. K. Torghele, DI S. Lerchbaumer/Spektrum Ges.m.b.H
Mag G. Mötzl, B. Bauer/Östereichisches Institut für Baubiologie und -ökologie
G. Bertsch/Fa. Ökoberatung
DI B Weithas/Büro f. Bauphysik
Ing M. Gludovatz/SYNERGY consulting & engineering gmbh
DI F. Studer, DI D. Lenz/Umweltverband Vorarlberg

 

Impressum:

Eigentümer, Herausgeber und Medieninhaber:
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie
Radetzkystraße 2, 1030 Wien
Verantwortung und Koordination:
Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien
Leiter: DI Michael Paula

Ein Projektbericht im Rahmen der Programmlinie
Impulsprogramm Nachhaltig Wirtschaften
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

 

 

Grundlagen



 

Das Haus der Zukunft (HdZ) Demovorhaben intendierte, die innovativen Planungs- und Ausschreibungsinstrumente „Passivhaus-Bauteilkatalog“ und „Ökoleitfaden:Bau“ zur umfassenden „Ökologisierung“ von Bauprojekten auf Ihre Anwendbarkeit zu erproben, um in weiterer Folge für eine breite Anwendung empfohlen werden zu können. Die ökologische Bauteiloptimierung des Bauvorhabens „Ökologischer Holzbau -  Gemeindezentrum Ludesch“ wurde dabei als Demonstrationsvorhaben zum Projekt „Hochbaukonstruktionen und Baustoffe für hochwärmegedämmte Gebäude - Technik, Bauphysik, Ökologische Bewertung, Kostenermittlung (IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog) [PB 2004]“ durchgeführt. Dadurch sollte eine bessere Energieeffizienz, ein verstärkter Einsatz erneuerbarer Energieträger, nachwachsender Rohstoffe und ökologischer Baustoffe sowie eine stärkere Berücksichtigung von Nutzungsaspekten und Nutzerakzeptanz bei vergleichbaren Kosten zu konventionellen Bauweisen erreicht werden. Insbesondere wurde auch auf Aspekte der Wohnhygiene (Berücksichtigung der Gesundheit des Menschen im Gebäude) eingegangen. Hier kann mit dem HdZ-Projekt „IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog“ auf ein Alleinstellungsmerkmal verwiesen werden. Es gibt kein anderes Planungsinstrument, das sowohl eine bauökologische als auch eine baubiologische Optimierung erlaubt.

Die erfolgreiche Umsetzung der Projektidee im Sinne einer ökologischen, nachhaltigen Optimierung des Planungs- und Ausschreibungsprozesses bildet für den Umweltverband Vorarlberg, als Vertretung aller Gemeinden in Vorarlberg, die Grundlage für eine weitere Verbreitung und Anwendung des „Ökoleitfaden: Bau“ als ein wichtiges Basisinstrument für die Aktivitäten des ÖkoBeschaffungsService Vorarlberg (ÖBS).

 
 

Prozesssteuerung

 

Der gesamte Planungs- und Umsetzungsprozess beim „Neubau Gemeindezentrum Ludesch“ wurde durch ein interdisziplinäres Team begleitet.

Mitglieder dieses Teams waren:

  • Vertreter der Gemeinde Ludesch
  • Vertreter des Umweltverbandes Vorarlberg
  • Vertreter des Österreichischen Institutes für Baubiologie und –ökologie (IBO)
  • Vertreter des Architekturbüros DI Hermann Kaufmann, Schwarzach
  • Ökoberatung Gebhard Bertsch, Ludesch (für die Qualitätssicherung bei der Bauausführung verantwortlich)
  • Spektrum GesmbH

 

Die Projektsteuerung für dieses Team lag beim Umweltverband Vorarlberg. Einmal im Monat fand ein Jour fixe dieses interdisziplinären Teams statt. Bei den Jour fixes wurden alle für das Projekt „Neubau Gemeindezentrum Ludesch“ spezifischen ökologischen Themenbereiche behandelt.

Übliche Schnittstellenprobleme zwischen Bauherr und ausführenden Unternehmen konnten so ausgeräumt werden.

 
 

HdZ-Demovorhaben

 

IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog

Der „IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog“ [PB 2004] ist das derzeit einzige Planungsinstrument, das sowohl eine bauökologische wie auch eine baubiologische Optimierung erlaubt. In diesem Bauteilkatalog sind Konstruktionen auf Passivhausstandard dimensioniert, und in (fast) jeder Konstruktion wird einer gängigen – kostenorientierten – Materialwahl eine ökologisch motivierte Materialwahl als Alternative gegenübergestellt.

Der „IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog“ ist eine Sammlung von Hochbaukonstruktionen, die in jeweils zwei Varianten technisch beschrieben, bauphysikalisch bewertet und ökologisch entlang des gesamten Lebenslaufs analysiert werden. Der ökologische Herstellungsaufwand der verwendeten Baustoffe, Dauerhaftigkeit und Instandhaltungsaufwand der Konstruktionen sowie Rückbau und Entsorgung sind die Themen der ökologischen Analyse. Bei der technischen Beschreibung stehen der luftdichte und wärmebrückenfreie Einbau (Anschlüsse) und die technische Sicherheit im Vordergrund, ergänzt durch Angaben zu Herstellungsabläufen, Vorfertigung und Anforderungen an die Baustellenlogistik sowie einer Kostenermittlung der Hochbaukonstruktionen. Die bauphysikalische Diskussion behandelt Wärme-, Schall- und Brandschutz, Dampfdiffusions- und Wärmespeicherverhalten.

 

Ökologische Bewertung

Die Baukonstruktionen werden bezüglich Ressourcenaufwand und Emissionen entlang des ökologischen Lebensweges detailliert miteinander verglichen:

  • Herstellung
  • Einbau
  • Verarbeitung
  • Arbeitsplatz-Belastungen
  • Nutzung
  • Erfüllung der Funktionen
  • Ausführungsmängel/Instandhaltung/Instandsetzung/Nutzungsdauer
  • Entsorgung (Verwertung und Beseitigung)

 

 

Das Verfahren zur ökologischen Bewertung der Herstellung von Baustoffen ist an internationalen Standards orientiert. Es wurde daher die derzeit gängigste und nach Ansicht der Autoren auch wissenschaftlich am besten abgesicherte Methode der wirkungsorientierten Klassifizierung nach [CML 2001] ausgewählt. Diese beinhaltet die Bewertung von Produkten anhand von Umweltkategorien. Da aber die meisten Umweltkategorien noch relativ geringen Bekanntheitsgrad genießen und die Zielvorgabe war, einfache Aussagen zu treffen, wurden aus den vorhandenen Wirkungskategorien die beiden bekanntesten, das Treibhauspotenzial (100 Jahre, GWP 100) und die Versäuerung (AP), ausgewählt. Zusätzlich ist für jeden Baustoff bzw. Bauteil der Primärenergieinhalt an nicht erneuerbaren Energieträgern (PEI n. e.) angegeben. Diese drei Kennzahlen vermögen ein relativ gutes Bild der ökologischen Qualität eines Baustoffes bzw. eines Bauteiles zu vermitteln. Weitere Umweltkategorien sind: Photosmog, Ozonabbau, Ökotoxizität, Humantoxizität, PEI erneuerbare Rohstoffe, Flächenbedarf. Es wurden die folgenden Programme zur Ökobilanzierung verwendet:

  • Simapro 5.0: Berechnung der Baustoff-Kennzahlen,
  • Programmpaket Ecosoft 2.1.2: Bauteilberechnung. Auf der Grundlage der IBO-Datenbank Ökologische Kennwerte von Baustoffen Stand 01/2004

 

Für den Vergleich erfolgte eine quantitative Erfassung bis zum Ende der Produktionsphase. Die ökologischen Kennwerte der Regelquerschnitte sind die Summe der ökologischen Kennwerte aller eingesetzten Baustoffe pro m2, Verschnitte etc. werden vernachlässigt. Die Kennwerte werden auf die erwartete Lebensdauer der Bauteilschichten bezogen. Als Betrachtungszeitraum wurde eine Gebäudelebensdauer von 80 Jahren zugrunde gelegt. Bauteilschichten mit kürzerer Lebensdauer als der übrige Bauteil, die so eingebaut sind, dass sie ohne Zerstören des übrigen Bauteils ausgewechselt werden können, sind in der ökologischen Beurteilung so viele Male angesetzt, wie sie während der angenommenen Lebensdauer des Gesamtbauteils ausgetauscht werden müssen. Da es sich bei der Anzahl der Erneuerungen um eine theoretisch berechnete Zahlen auf Basis der Richtwerte für die Lebensdauern handelt, können auch nicht natürliche Zahlen resultieren.

Die ausgewählten ökologischen Kennwerte vermögen ein relativ gutes Bild der ökologischen Qualität eines Baustoffes bzw. eines Bauteiles zu vermitteln. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass dieses Bild nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit abbildet. Um der “Ganzheitlichkeit” genüge zu tun, sind die Baustoffe und Konstruktionen daher darüber hinaus deskriptiv bewertet.

Auf gesundheitliche Aspekte wird speziell in den Bereichen Produktion, Einbau und Nutzung eingegangen. Eine Bewertung des Entsorgungsverhaltens ist analog dem österreichischen Schulnotensystem nach einer fünfteiligen Skala, 1 = sehr günstig … 5 = ungünstig, veranschaulicht.

Resultat ist ein tabellarisches ökologisches und technisches Datenprofil für die ausgewählten Systeme.

 

 

Vorgehensweise zur Konstruktionsauswahl

 
Konstruktionsbeispiel Plattenfundament
Abbildung:
Konstruktionsbeispiel Plattenfundament, erdberührender Fußboden, beheizter Raum (Weiße Wanne) 
1. Konstruktionsauswahl: Auswahl jener Konstruktionen aus dem Kapitel Regelquerschnitte und funktionale Einheiten, die aufgrund der Bauordnung, architektonischer und technischer Erfordernisse oder anderer Randbedingungen in die engere Wahl kommen. 
Anschlussdetail-Beispiel WU-Beton-Bodenplatte ohne Streifenfundament
Abbildung:
Anschlussdetail-Beispiel WU-Beton-Bodenplatte ohne Streifenfundament 
2. Anschlusscheck: Prüfen, ob die gewählten Regelquerschnitte aneinander angeschlossen werden können. Das Kapitel Anschlussdetails liefert dafür Anregungen. 
Ökologischer Aufwand Konstruktionsbeispiel Plattenfundament
Beurteilungskriterien für den Einbau am Dämmsystem-Beispiel „Dämmung im Leichtelement“
Nutzungsaufwand Dämmsystem-Beispiel „Dämmung im Leichtelement“
Abbildung:
Ökologischer Aufwand Konstruktionsbeispiel Plattenfundament; Beurteilungskriterien für den Einbau am Dämmsystem-Beispiel „Dämmung im Leichtelement“;
Nutzungsaufwand Dämmsystem-Beispiel „Dämmung im Leichtelement“ 
3. Check ökologischer Aufwand Herstellung: Vergleich der ökologischen Kennzahlen für jede der gewählten Konstruktionen unter Beachtung der Hinweise zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ein Vorschlag für eine ökologische optimierte Materialwahl liegt bereits fertig vor.

Check ökologischer Aufwand Einbau- und Nutzungsphase: Vergleichen der Angaben zum erwartenden Arbeits-, Wartungs- und Reparaturaufwand und zu möglichen Auswirkungen auf die Innenraumluft im Hinblick auf die Arbeitsbelastung, die beabsichtigte Nutzungsart des Gebäudes und die Lebensdauer der Konstruktionen. 
Ökologisches Datenprofil - Beispiel „Dämmung im Leichtelement“
Abbildung: Ökologisches Datenprofil - Beispiel „Dämmung im Leichtelement“ 

4. Check ökologischer Aufwand Entsorgung: Vergleich der Grafiken zur Entsorgung und Abschätzung, inwieweit die Besitzer des zu errichtenden oder zu sanierenden Bauwerks von den Kosten der Entsorgung in der Zukunft selbst betroffen werden könnten.

 
 
5. Check Optimierungspotenziale: Optimierung der ökologischen Herstellungsaufwände, die Lebensdauer und Schadensanfälligkeit, den Wartungs- und Reparaturaufwand oder den Entsorgungsaufwand durch Kriterienvergleich der ermittelten Vor- und Nachteile einer Konstruktion unter  Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen wie Schallschutz oder Statik. 
 

Wichtig: Nur die Zusammenschau von ökologischen Kennzahlen und deskriptiver Bewertung soll zu einer ökologischen Bewertung des Bauteils herangezogen werden.

 

 
 

Ökoleitfaden: Bau

Der „Ökoleitfaden: Bau“ [ÖLB 2000] als Tool des ÖkoBeschaffungsService Vorarlberg (ÖBS) wurde vom Umweltverband Vorarlberg im Jahr 2000 herausgegeben und ist im Internet unter www.umweltverband.at abrufbar. Der Leitfaden wurde eigens zur Ökologisierung des Beschaffungssystems der Vorarlberger Kommunen entwickelt.

Ziel des „Ökoleitfaden: Bau“ ist es, die Umweltgerechtheit als ein selbstverständliches Kriterium für eine umfassende Qualität von Produkten und Dienstleistungen bei der Beschaffung zu betrachten und zu behandeln. Aus diesem Grunde begegnet der „Ökoleitfaden: Bau“ dem Defizit des oftmaligen Fehlens notwendiger Informationen zur Berücksichtigung von Umweltaspekten durch Bereitstellen dieser Informationen für Konzeption, Planung und Beschaffung. Zudem sollte durch die bereitgestellten Informationen und die speziell entwickelten Textblöcke zur Ergänzung von Ausschreibungstexten der zeitliche Mehraufwand für eine ökologische Beschaffung minimiert werden. Der Leitfaden enthält sowohl ein Hochbau- als auch ein Tiefbau- Modul. Das Modul Tiefbau gliedert sich in die Module Verkehr (wirkungsvolle Raumordnung, umweltorientierte Verkehrskonzepte und Verkehrsplanung) und Wasser (Wasserversogung und –entsorgung, Regenwasserbewirtschaftung und Rohrleitungsbaus).

Das Modul Hochbau gliedert sich in zwei Teile. Im Leitfaden für PlanerInnen und ArchitektInnen sind Grundsätze und Planungsrichtlinien zur Ökologisierung des Bauens aufgeführt. Die Auswahl besteht aus konventionellen, häufig eingesetzten Baustoffen sowie aus ökologisch positiv eingestuften Baustoffen. Mäßig gute Baustoffe werden kurz beschrieben, die ökologischen Kenngrößen angegeben und zentrale Argumente, weshalb diese Baustoffe als mäßig gut eingestuft wurden, angeführt. Ökologisch zu empfehlende Produkte werden detaillierter beschrieben und zusätzliche Hinweise für die Anwendung, Möglichkeiten zum Rückbau, zur Verwertung und Entsorgung, Bezugsquellen, Referenzprojekte und Ausschreibungstexte angegeben.

Der Modul Hochbau des „Ökoleitfaden: Bau“ ist inhaltlich folgendermaßen strukturiert:

  • Empfehlungen für erste Schritte
  • Checklisten zur Ist-Stand-Erhebung
  • Prinzipien und Grundsätze für eine umweltfreundliche Gestaltung der einzelnen Beschaffungsbereiche
  • Leitfaden für externe Planungs-, Architektur- und Zivilingenieurbüros Empfehlungen und Bewertungen für die Produktauswahl
  • Baustoffdiskussion mit Hinweisen für die Anwender, zum Rückbau, zur Verwertung und Entsorgung, Bezugsquellen, Referenzprojekte und Ergänzungen zu den Ausschreibungstexten
  • Hintergrundinformationen über Umweltzeichen, Normen, Inhaltsstoffe und Materialien
  • Ausschreibungsunterlagen bzw. Textblöcke für die Ausschreibung
  • Adressen, Literaturempfehlungen, Internetlinks

Mit den Planungsinstrumenten des Leitfadens für externe Planungs-, Architektur- und Zivilingenieurbüros, den Empfehlungen für erste Schritte und die Checklisten zur Ist-Stand-Erhebung werden über den Fokus der ökologischen Materialwahl hinaus weitere umfassende Umweltaspekte der Standortwahl und Infrastruktur, des Nutzungskonzeptes und der Ausstattung sowie des Gebäudetyps und der Nutzungsphase bereits in der Konzeptions- und Planungsphase berücksichtigt. Zudem bietet der „Ökoleitfaden: Bau“ mit seinem mehrstufigen Bewertungsschema auch eine Basis für „ökologische Bauteiloptimierungen“ im Hinblick auf die Auswahl von Baustoffen. Diesbezüglich stellt der „Ökoleitfaden: Bau“ eine ideale Ergänzung zum „IBO-Passivhaus-Bauteilkatalog“ dar.

 

 
Kriterien für die Ökologisierung von Bauprojekten
Abbildung:
Kriterien für die Ökologisierung von Bauprojekten 

Handhabung

Die wichtigsten Weichenstellungen werden im Zuge der Planung und Konzeption eines Gebäudes vorgenommen. Bereits in der Vorbereitungsphase fallen wichtige Entscheidungen über Standortwahl, Nutzungskonzept, Konstruktionsweise, Materialauswahl und Kostenrelationen. Zu diesem Zeitpunkt sind sehr wenige Planungskosten angelaufen, die Situation aller Beteiligten ist noch offen, persönliches Prestige ist noch kein Problem, allfällige Änderungen sind relativ leicht umzusetzen. Es steht deshalb ein eigener Leitfaden für PlanerInnen und ArchitektInnen zur Verfügung, in dem die Grundsätze und Planungsrichtlinien zur Ökologisierung des Bauvorhabens bestimmt werden. Im Zusammenspiel von ArchitektIn und Bauwilligen können somit Optimierungsschritte, beginnend bei der Konzeption und Planung, über die Umsetzung, Bau und Baustoffwahl, bis hin zur Nutzung und Entsorgung gezielt gesetzt werden.

 

 
Einfaches Bewertungsschema zur Baustoffwahl
Holzwerkstoffe und ökologische Alternativen
Checkliste „Ökologischer Aufwand Herstellung“
Beispielhafter Textblock einer Ausschreibungsergänzung
Abbildung: Einfaches Bewertungsschema zur Baustoffwahl;
Holzwerkstoffe und ökologische Alternativen;
Checkliste „Ökologischer Aufwand Herstellung“;
Beispielhafter Textblock einer Ausschreibungsergänzung  

Ein einfaches mehrstufiges Bewertungsschema zeigt den NutzerInnen auf einen Blick die Produkteinstufung des IBO hinsichtlich ökologischer Qualitäten. Damit wird eine ökologische Baustoffwahl sehr anschaulich und ökologische Optimierungspotenziale können relativ einfach aufgespürt werden.

Folgende Einstufungen werden unter Voraussetzung von Mindestkriterien (Verzicht auf gefährliche und/oder bedenkliche Stoffe) vorgenommen:

 

Produktauswahl am Beispiel „Holzwerkstoffe“

 

Auf Basis ökologischer Kennwerte können weitere Optimierungspotenziale in der Detailplanung vorgenommen werden.

 

Im Zuge der Ausschreibung können ökologisch vorteilhafte Vergaben auch nach dem Billigstbieterprinzip  erfolgen. Bei den meisten Bauprodukten ist die ökologische Wertigkeit bereits durch die Produktbeschreibung im Leistungsverzeichnis bestimmt (z.B. Linol- Bodenbelag statt PVC-Bodenbelag). Mit Hilfe von ökologisch relevanten Eingrenzungskriterien wird sichergestellt, dass nur umweltverträgliche Produkte ausschreibungskonform sind.

 

Nachstehend ein Textblockauszug zur Ausschreibungsergänzung am Beispiel „Holzwerkstoffe“.

 

Mit den Ausschreibungsergänzungstexten werden sehr detaillierte ökologische Kriterien in das Leistungsverzeichnis implementiert, die neben der Vergabe an den Billigstbieter auch für die darauf folgende ökologische Qualitätssicherung, der Angebotsprüfung (siehe Kapitel 3.6 Ausschreibung und Angebotsprüfung), die Grundlage bilden.

 
 

Ökologischer Holzbau

 

Zielsetzung

Die Ökologie von Baustoffen berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus des Baustoffes und orientiert sich am „Nachhaltigkeitsprinzip“, das im Bereich der Baustoffe durch Merkmale wie Minimierung des Stoffeinsatzes, Reduktion der grauen Energie, Vermeidung von Schadstoffemissionen, Wiederverwertbarkeit der eingesetzten Stoffe, etc. gekennzeichnet ist.

Demzufolge weist die Ökologie von Holzbaustoffen folgende Merkmale auf:

 

  • Rohstoff
    - Durch die biologische Produktion von Holzmasse wird der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen (negatives Treibhauspotenzial durch CO2-Bindung), das über die gesamte Lebensdauer gespeichert ist.
    - erneuerbarer Rohstoff
    - ausreichend vorhanden
    - geringer Energieeinsatz
    - geringe Schadstofffreisetzung (geringe Mengen Schmieröl, Luftschadstoffe aus Verbrennungskraftmaschinen)
    - Holz aus nachhaltig genutzten und regionalen Wäldern
  • Transport
    - Verwendung heimischer/regionaler Hölzer; um den Einfluss der Entfernung des Herstellungsortes vom Einsatzort für Holzprodukte aufzuzeigen, wurden ökologische Kennwerte für eine Variante berechnet. Das Ergebnis ist im Anschluss dargestellt.
  • Herstellung/Verarbeitung
    - natürlich getrocknetes Holz, technische Trocknung durch umweltfreundliche Erzeugung mit Biomasseheizung, beheizt aus den im Sägewerk anfallenden Abfällen
    - geeignete Holzwahl
    - leichte Verarbeitbarkeit
    - konstruktive Verbindungsmittel, wie Holzschrauben, Nägel, Dübel, Klammern; falls erforderlich sehr emissionsarme Verklebungen oder Verleimungen (EC 1)
    - naturbelassene Holzwerkstoffe, falls Beschichtung erforderlich imprägniert oder behandelt mit sehr emissionsarmen, diffusionsoffenen und wasserverdünnbaren (Natur(harz))-Beschichtungen (Grundierungen, Öle, Wachse, Lasuren, Lacke – EC 1).
  • Nutzung
    - sehr gute Feuchtepufferung bei unbehandeltem bzw. bei diffusionsoffen behandelten Oberflächen
    - vermeiden von ökologisch und gesundheitlich bedenklichen Emissionen durch Verzicht auf lösemittel- und schwermetallhaltige Farben und Lacke
    - sehr gute mechanische Eigenschaften
  • Recycling/Beseitigung
    - Wartung/Lebensdauer: Weichholz bei freier Bewitterung ca. 40 Jahre und Hartholz 75 Jahre;  bei witterungsgeschütztem Einbau (konstruktiver Holzschutz) auch wesentlich längere Zyklen möglich [PB 2004].
    - Trenn- und Wiederverwendbarkeit: Holz ohne Beschichtungen und Imprägnierungen bzw. mit Natur(harz)beschichtungen und -ölen behandelt problemlos weiterverwendbar; Rückbau möglich, durch mechanischen Verbund.
    - Stoffliche Verwertung: Recycling für Zellstoffe und Holzwerkstoffe, als Porosierungmittel in der Ziegelindustrie; Kompostierung möglich.
    - Entsorgung/Verbrennung: Holz besitzt einen hohen Heizwert, er ist abhängig von Feuchtegehalt und Holzart (bei trockenem Holz 18 MJ/kgatro–20 MJ/kgatro); Energie sollte genutzt werden; vermeiden von Emissionen durch Verwendung von Holz ohne Beschichtungen oder Imprägnierungen.

 

Aspekte zum ökologischen Holzbau

„Ökologischer Holzbau“ in Bezug auf konventionelle „Holzbaukonstruktionen“ und den Zielsetzungen ökologischer Holzbaustoffe zeichnet sich aus durch:

  • Holz aus nachhaltig genutzten und heimischen/regionalen Wäldern
  • natürlich getrocknetes Holz, technische Trocknung durch umweltfreundliche Erzeugung mit Biomasseheizung, beheizt aus den im Sägewerk anfallenden Abfällen
  • naturbelassene Holzwerkstoffe
  • konstruktiver Holzschutz für lange Lebensdauern und reduziertem Wartungsaufwand
  • konstruktive Verbindungsmittel
  • falls erforderlich sehr emissionsarme Verklebungen oder Verleimungen (EC 1, bevorzugt Kasein- und Weißleime) in geringen Mengen
  • falls eine Beschichtung erforderlich, Hölzer imprägniert oder behandelt mit sehr emissionsarmen, diffusionsoffenen und wasserverdünnbaren (Natur(harz))-Beschichtungen (Grundierungen, Öle, Wachse, Lasuren, Lacke – EC 1).
  • „holzgerechte Projektkoordination und –planung“ für die Verwendung regionalen Holzes: Vernetzung und Kooperation der Schnittstellen zwischen den Unternehmen in der Wertschöpfungskette, beginnend vom Forst über Säge, Zimmerei, Schreinerei, Architekt bis zum Bauherrn, sowie zeitgerechte Holzernte und Verarbeitung.

 

Transport und Öko-Kenndaten

Um den Einfluss der Entfernung des Herstellungsortes vom Einsatzort für Holzprodukte aufzuzeigen, sind ökologische Kennwerte für eine Variante der Bauteilkonstruktion „Außenwand“ dargestellt. Bei der Variante „Var0 Holz1000km“ wurden 1.000 km Transportweg angenommen im Vergleich zur Variante 0 (Var0), wo der Transport unberücksichtigt bleibt. Die Varianten 1 – 4 sind weiter hinten im Kapitel diskutiert.

 
Einfluss Holztransport – PEI
Abbildung:
Einfluss Holztransport – PEI  

Aus der Graphik lässt sich gut erkennen, dass das PEI-Einsparungspotenzial der Var0 Holz1000km in Bezug auf die Var0 mit rund 24 % in etwa in der gleichen Größenordnung liegt, wie die Var0 in Bezug auf die optimierten Var 1 – 4,.

Ein ähnliches Bild zeigt das GWP-Einsparungspotenzial. Beim Versäuerungspotential sind die Einsparungen beim Holztransport im Vergleich mit optimierten Varianten sogar noch wesentlich höher (siehe detaillierte ökologische Bewertung im Anhang, Kapitel 8.1 Ökologische Optimierung - Vorbewertung).

Die größten Einsparungspotenziale werden durch Kombination der Verwendung von regionalen Hölzern und nachwachsenden/recyclierten Dämmstoffen erzielt.

Die Einsparungspotenziale bedingt durch den Holztransport werden bei konventionellen Holzbauweisen noch größer sein, da die Herkunft der ausländischen Hölzer meist noch aus weiter entfernteren Regionen (z.B. Russland) stammen, als die betrachtete Var0 Holz1000km (Holzprodukte aus 1.000 km Entfernung). Folglich stellt der Holztransport eines der wesentlichsten Einsparungspotenziale dar.

 
 

Vorgeschichte des Projektes

 

Gemeindeentwicklungsprozess

Die Gemeinde Ludesch liegt im Vorarlberger Walgau und zählt ca. 3.000 Einwohner. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Wirtschaftswachstum und die Bevölkerungszahl nahezu verdoppelt.

 

Entstehungsgeschichte

Für die Ortskernentwicklung hat die Gemeinde bereits im Jahre 1995 durch die Universität Innsbruck eine Bevölkerungsbefragung zur Erhebung der Bedürfnisse der Einwohner durchführen lassen. Daraus entstand das Leitbild Ludesch,  welches von der Gemeindevertretung 1996 beschlossen worden ist. Die Entwicklung des Leitbildes im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsverfahrens kennzeichnet den Start für die neue Zentrumsbebauung.

 

1997 wurde das Leitbild für die Ortskernentwicklung ausgearbeitet und eine Machbarkeitsstudie für das neue Gemeindezentrum in Auftrag gegeben.

 

Bereits 1994 ist die Gemeinde Ludesch dem Klimabündnis beigetreten, 1998 erfolgte der Beitritt zum „e5-Programm für energieeffiziente Gemeinden“, das im Wesentlichen folgende Ziele verfolgt:

 

  • Nachhaltig wirtschaften
  • Nutzung erneuerbarer Energieträger
  • PVC-Verzicht, Verzicht auf Einsatz gefährlicher Stoffe
  • Rad- und Gehwegnetz forcieren
    udgl.

 

Erstellung des Bedarfskonzeptes

Weiterhin wurde 1998 die Arbeitsgruppe „Gemeindezentrum“ gebildet und zur Erhebung der Anforderung an das neue Gemeindezentrum der Universität Innsbruck den Auftrag zur Bürgerbefragung und Analyse erteilt. Im Bürgerbeteiligungsverfahren wurden die Bedürfnisse der einzelnen Vereine formuliert, das Raumprogramm für das Gemeindeamt erarbeitet und die Qualitäten des Gebäudes festgelegt. Das Bedarfskonzept ist über einen Zeitraum von 1 ½ Jahren und 12 Arbeitssitzungen ausgearbeitet worden.

 

1999 erfolgte der Grundsatzbeschluss der Gemeindevertretung zum Bau eines neuen Gemeindezentrums.

 

Anfang 2000 wurde das Architekturbüro DI Hermann Kaufmann beauftragt das Projekt gemeinsam mit der Arbeitsgruppe zu entwickeln und infolge auch umzusetzen.

 

Dabei wurden folgende Kriterien für das neue Gemeindezentrum festgelegt:

 

  • Unterbringung versch. Nutzungen wie Gemeindeamt, Café, MZR, Bücherei, Spielgruppe, Geschäfte, Büros und Vereinsräumlichkeiten
  • Heimische Wertschöpfung
  • PVC-Verzicht
  • Holzbau
  • Passivhaus

 

Projektziele der Gemeinde

Mit der Errichtung des neuen Gemeindezentrums sollte ein Verwaltungs- und Kommunikationszentrum der Gemeinde entstehen, das als multifunktionales Gebäude mit überdachtem Vorplatz als öffentlicher Kommunikations- und Veranstaltungsraum unter Beachtung der Aspekte der Sozial- und Raumverträglichkeit, der Nachhaltigkeit im Sinne des sparsamen Umganges mit beschränkten Ressourcen wie Boden und Energie sowie des sinnvollen Einsatzes von ökologischen und „gesunden“ Baumaterialien. Das Vorhaben ist trotz ökologisch motivierten Investitionen im üblichen Kostenrahmen umzusetzen.

 

  • Teilziel Ökologie
    - Ökologischer Holzbau
    - Holz aus heimischer Weißtanne (Bezug des Holzes von der örtlichen Agrargemeinschaft)
    - Passivhaus
    - Biomasse-Nahwärme
    - Multifunktionale Fotovoltaikanlage zur Überdachung des Dorfplatzes
    - Bodenverbrauch: Minimierung der versiegelten Fläche
  • Teilziel Ökonomie
    - Minimierung der Betriebskosten durch energiesparende Bauweise (Passivhaus), bei vernachlässigbaren Mehrkosten bei der Errichtung – daher günstige Gesamtkosten über die Lebensdauer des Gebäudes
    - Wirtschaftliches Leben im Dorfzentrum
    - Regionale Wertschöpfung durch möglichste Verwendung heimischer Materialien
    - Pilot- und Vorzeigeprojekt – Bekanntheit des Standortes Ludesch
  • Teilziel Soziales
    - Errichtung von Räumlichkeiten für Ortsvereine
    - Neuer Treffpunkt im Dorfzentrum, gut erreichbar und vielseitig nutzbar
    - Nahversorgung- Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen im Ortszentrum
    - Hohe Lebens- und Arbeitsqualität durch gesundes Raumklima und Luft/Licht Qualität
    - Öffentliche Bibliothek
    - Kinderbetreuungseinrichtung (Kinderspielgruppe)
    - Schaffung von Veranstaltungsräumlichkeiten- Belebung von kulturellen Aktivitäten