Wettbewerb Neubau Hallen 9-12 Messe Dornbirn

3. Platz Dornbirn (A)
Wettbewerb Neubau Hallen 9-12 Messe Dornbirn
Wettbewerb Neubau Hallen 9-12 Messe Dornbirn
Wettbewerb Neubau Hallen 9-12 Messe Dornbirn

Links  


 


Wettbewerb Neubau Hallen 9-12 Messe Dornbirn 3. Platz Dornbirn (A)



Bauherr

 Messe Dornbirn GmbH, Dornbirn

Wettbewerb

 2014

Projektleitung 

Mitarbeit 

Halle 9 und 11
Um den heutigen Anforderungen an den Messe- und Veranstaltungsbetrieb bestmöglich zu entsprechen sind die Hallen als Dunkelhallen konzipiert. Der Innenraum soll sich als neutraler Hintergrund für die individuell gestalteten und beleuchteten  Stände zurücknehmen. Die ringförmige Außenwand ist völlig glatt und ohne störende Tragstruktur. Darauf aufgesetzt liegt das schwarz lasierte Dachtragwerk. Bei Bedarf können die Hallen durch „Tageslichtlampen“ gleichmäßig, natürlich belichtet werden – ohne störende Schatten, und ohne Benachteiligung einzelner Stände. Das Tageslicht kann so auch beliebig mit dem Kunstlicht kombiniert werden.


Halle 10
Der vollverglaste Raum bildet wie die beiden Foyers einen Gegenpol zu den Dunkelhallen - hier wird verweilt und entspannt. Der Zwischenbau ist zudem leicht von den Hallenfassaden abgerückt wodurch ein vorgelagerter Außenbereich entsteht. Dies garantiert auch im Falle der Umsetzung einer „Galerie“ entlang der Hallenaußenwände eine gute Belichtung.  Um Tageslicht bis ganz nach hinten in den Raum zu bringen wurden die Funktionsflächen in einem rückwärtigen, zweigeschossigen Riegel zusammengefasst. Dies lässt davor einen hohen Raum entstehen. Wie im bestehenden Hauptfoyer dringen die Hallenfassaden und auch der Außenbelag in den Raum. Durch das Abrücken der Halle 10, können zudem beidseits der Haupterschließungsachse von Halle 9-11 Standflächen angeordnet werden.


Halle 12 und Seminarbereich
Die geforderte Hallenfläche von 900m2 lässt sich zwischen der Außenwand Halle 13 und der bestehenden Betonrippenwand ohne Einschränkungen realisieren. Aus ökonomischer Sicht macht es daher Sinn die Betonwand zu erhalten und die restlichen Funktionsflächen in einer Raumschicht zwischen Betonwand  und Halle 11 anzuordnen. Dieses Konzept ist zugleich eine Weiterführung der Raumschicht zwischen Halle 12/13 und Foyer/Messebüro. Dem Foyer 12 kann so eine zusätzliche, multifunktionale Fläche mit ca. 80m2 zugeordnet werden. Über eine Freitreppe gelangt man vom Erdgeschoss in das Foyer des Seminarbereichs. Die Aufteilung in Raumschichten erfolgt analog zum Erdgeschoss. Das Foyer wird an den Längsseiten von den Funktionsflächen und gegenüberliegend von den Seminarräumen bedient. Die Seminarräume sind zudem rückwärtig an einen reinen Flucht- und Cateringgang angebunden. Die Belichtung erfolgt über zwei Lichthöfe, eine Dachverglasung über der Freitreppe und zwei im Foyer, sowie über Lichtkuppeln und ein Fenster im großen Seminarraum.


Fassade
Der Masterplan formuliert das Ziel einer differenzierten architektonischen Gestaltung für die einzelnen Hallen. Die bausubstanziell wertvollen Hallen 1, 9 und 13 verbindet eine klare Bauform und ein homogenes Erscheinungsbild. Durch  unterschiedliche Materialität, Tiefenwirkung und Reflexion wird jedoch die gewünschte Diversität und gestalterische Spannung  generiert.

Zudem liegen die geplanten Gebäude im Spannungsfeld konträrer städtebaulicher Maßstäbe. Für den Besucher im Freigelände sollen die großflächigen Fassaden aufgelockert und angenehm wirken. Dem entgegengesetzt ist die Fassade von der Autobahn gesehen Teil der Stadtansicht von Dornbirn und soll hier als Großform in Erscheinung treten. Die Fassade soll sich gegenüber der benachbarten Konsumarchitektur zurücknehmen,  jedoch ohne der Uniformität des konventionellen Messebaus zu verfallen. Die vorgeschlagene Fassade liegt im Spannungsfeld der zuvor abgeleiteten Parameter und vereint gleichzeitig ökonomische und ökologische Kriterien. Dabei wird sägerauhes Holz als neues Material am Messegelände eingeführt. Durch einfache Mittel werden die biegsamen Bretter zu einer textil anmutenden Oberflächenstruktur gefügt. Rhythmus und Stärke der Wölbungen werden dabei durch die vorstehenden Stützen bestimmt. Im Zusammenwirken mit der durscheinenden Lasur, entsteht beim vorbeigehen- und fahren ein reliefartiges  Spiel mit Licht und Glanz. Für dieses Konzept werden zwei Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt. Für die Halle 11 die  „Holzpolster“  und für die Halle 9 die „Holzgardine“.


Stellungsnahme zum Kostenrahmen
Der vorgegebene Kostenrahmen ist bei einer wirtschaftlichen Gesamtkonzeption einhaltbar, wobei im Seminarbereich sicher ein reduzierter Ausbaugrad erforderlich sein wird. Da die Gebäudeaußenmaße durch den Masterplan vorgegeben sind, wurde versucht Kosten vor allem in den Bereichen Tragstruktur und Haustechnik zu optimieren. Das gewählte Buchen-Fachwerk, der Erhalt der Betonrippenwand und der Entfall der Lüftungsleitungen in den Hallen sind jedenfalls sehr wirtschaftliche Lösungen, ohne funktionale Einschränkungen. Die vorgeschlagenen Holzfassaden sind trotz der komplex anmutenden Form aus standardisierten und einfachen Elementen aufgebaut und jedenfalls realisierbar.


Erläuterung Fachplanung
Tragwerk
Da das Gesamtkonzept für die beiden großen Hallen 9 und 11 einen möglichst neutralen und ruhigen Raumeindruck vorsieht, wurde die Priorität auf eine möglichst einfache und klare Tragstruktur gelegt. Die Dachtragwerke sind ökonomische Holzkonstruktionen, welche durch eine schwarze Lasur optisch in den Hintergrund treten. Fachwerkträger als Haupttragkonstruktion spannen jeweils über die Schmalseite der Hallen. Die Gurte und Druckpfosten bestehen aus Buchen-Furnierschichtholz, die Zugdiagonalen aus Rundstählen. Die sehr hohen Festigkeiten von Buchen-FSH [fc,k, ft,k, fm,k 60-70 N/mm2] ermöglichen schlanke Querschnitte und einfachste Verbindungen über Kontaktpressung, welche den Zusammenbau der Fachwerke vor Ort erheblich vereinfachen. Ergänzt wird die Dachkonstruktion mit Brettschichtholz-Pfetten als Nebentragsystem. Rippenelemente aus OSB-Platten und Kanthölzern dienen als Auflage für den weiteren Dachaufbau und bilden gleichzeitig die aussteifende Dachscheibe. Zusammen mit den Wänden in Holzrahmenbauweise gewährleistet sie die nötige Stabilität der Hallen. Die Stützen zur vertikalen Lastabtragung sind ebenfalls aus Buchen-FSH. Ein von den Pfetten abgehängter Trägerrost dient zur Fixierung der Befestigungspunkte für die geforderten Abhängelasten.

Bei den Hallen 10 und 12 sind die Geschossdecken als Plattenbalken in Stahlbeton geplant. Das Dach über dem Seminarbereich wird aus Hohlkastenelementen in Holz gebildet. Die bestehende Betonrippenwand zwischen den alten Hallen 11 und 12A wird in den Neubau der Halle 12 integriert.


Energiekonzept
Thermische Hülle
Außenwand und Dach bestehen aus einer Holzkonstruktion mit Mineralwolledämmung. Die Fundamentplatte bleibt ungedämmt. Dies hat den Vorteil der passiven Kühlung im Sommer auf Grund des kühlen Temperaturniveaus von Erdreich und Grundwasser. Bei Nichtnutzung der Halle im Winter und einer Halleninnentemperatur zwischen +5°C und +8°C ergibt sich eine passive Heizung über Erdreich und Grundwasser.


Heizen/Kühlen/Lüftung
Die große Halle wird mit 4, die kleine Halle mit 2 dezentralen Lüftungsgeräten ausgestattet. Die Lüftungsgeräte haben eine hochwertige Wärmerückgewinnung sowie ein Heiz- und Kühlregister zur Zuluft Konditionierung. Die Energiebereitstellung erfolgt über ein nahes Wärme- bzw. Kältenetz. Der Vorteil des dezentralen Systems ist der komplette Entfall des Zu- und Abluftkanalsystems an der Hallendecke. Die komfortable Zulufteinbringung im Heiz- und Kühlfall wird durch einen automatisch verstellbaren Drallauslass gewährleistet. Die Wartung der Lüftungsgeräte erfolgt über Dach. Im Sommer sorgt die natürliche Nachtlüftung dafür, dass ein Teil der tagsüber anfallenden Wärmelasten abgeführt wird. Dafür werden Lüftungsklappen, welche sich motorisch öffnen, in die Fassade und im Dach integriert.


Dossiertes Tageslicht
Durch die transluzenten Lichtkuppeln gelangt diffuses Tageslicht in die Hallen. Über ein Spiegelraster wird das Licht gestreut und eine gleichmäßige Tageslichtverteilung in der Halle erzielt. Als Sonnenschutz und Dossierung des Tageslichteintrages sowie Verdunkelung dienen regelbare Klappen in den Tageslichtelementen.


Vorhaltung Photovoltaikanlage
Eine Photovoltaikanlage kann auf der gesamten Dachfläche installiert werden und dadurch größtenteils den Primärenergiebedarf für die mechanische Lüftung und das Kunstlicht abdecken.


Brandschutz
Brandabschnittsbildung
Gemäß den Vorgaben werden die einzelnen Hallen jeweils als eigene Brandabschnitte mit brandabschnittsbildenden Bauteilen in der Feuerwiderstandsklasse REI90 und A2 ausgeführt. Die Brandabschnittsbildung zwischen der Halle 12 zum Foyer Bereich Nord bzw. Seminarbereich erfolgt derart, dass die Wand in der Feuerwiderstandsklasse REI90 und A2 bis zur Decke des niedrigeren Baukörpers [Seminarbereich] ausgeführt wird. Die Decke der funktionalen Raumschicht [Bereich Technikräume] wird mit einer Breite von mind. 4,8 m öffnungslos und in der Feuerwiderstandsklasse REI90, A2 hergestellt um eine Brandausbreitung über die Dachfläche wirksam einzuschränken.


Fassade Halle 9 und 11
Es handelt sich hierbei um eine eingeschossige Halle mit einer Nutzfläche von mehr als 400 m2. Bei der Außenfassade werden Holzfassadenelemente ausgeführt. Diese werden durch entsprechende vertikale, nicht brennbare Konstruktionen [Blechschwerter] jeweils in Einheiten von ca. 17,5m x 17,5 m unterteilt sodass sich jeweils eine zusammenhängende Fläche von ca. 300m2² ergibt. Um in weiterer Folge einen effektiven Löscheinsatz im Bereich der Fassade über 14m Höhe zu gewährleisten wird über der Attika eine trockene Löschleitung mit nach unten offenen Sprinklerdüsen und Löschwasser-einspeisemöglichkeit für die Feuerwehr vorgesehen.


Fluchtwegsituation
Die Fluchtwegbreiten und Längen werden entsprechend den Wettbewerbsvorgaben eingehalten. Aus dem Bereich der obergeschossigen Seminarräume ist eine Entfluchtung zum einen in brandschutztechnisch abgrennte Treppenhäuser mit Ausgängen ins Freie und zum anderen Fluchtwege in angrenzende Brandabschnitte mit Treppenverbindungen ins EG und in diesen Bereich mit Ausgängen ins Freie geplant. Somit sind aus diesen Bereichen brandschutztechnisch getrennte Fluchtwege in entgegengesetzten Richtungen geplant.