Haus der Nachhaltigkeit

2. Platz
Haus der Nachhaltigkeit , Fotograph Thomas Knapp
Haus der Nachhaltigkeit , Fotograph Thomas Knapp
Haus der Nachhaltigkeit , Fotograph Thomas Knapp
Haus der Nachhaltigkeit
Haus der Nachhaltigkeit
Haus der Nachhaltigkeit
Haus der Nachhaltigkeit

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Haus der Nachhaltigkeit 2. Platz



Bauherr

 Stiftung für Nachhaltigkeit, Schaan (FL)

Wettbewerb

 2014

Mitarbeit 

Ortsräumliche Situation, Gestalt
Der Entwurf ist ein ortsspezifisches Passstück.
Durch die Stellung an der Schellenbergstraße und die Ausrichtung des Gebäudes werden mehrere Ziele gleichzeitig erreicht: Die Schaffung eines gemeinsamen Platzes für Pfarrhaus, Pfarrstall und Haus der Nachhaltigkeit; die Wahrung der nötigen Distanz zwischen Neubau und Bestand; die Fortführung der vorhandenen Bebauungsstruktur mit starkem Bezug zur Dorfstraße; und die räumliche Abgrenzung des Parkplatzes.  
Durch das asymmetrische Schrägdach werden weitere Ziele erreicht: Die Optimierung von Besonnung und Ausblick; eine Differenzierung der Gebäudehöhe zwischen Straße und Nachbarbebauung; eine Reaktion auf die Dachlandschaft der Umgebung;  und die Integration einer Ost-West Photovoltaikanlage für eine möglichst netzautarke Energieversorgung.

Pfarrstall und Fahrradstellplätze
Auf Grund der Größe und der vorhandenen Bausubstanz des Stalls, muss davon ausgegangen werden, dass durch einen größeren Umbau sein einzigartiger Charakter zwangsläufig verloren geht. Der Vorschlag ist den Stall in der Art zu nutzen wofür er gebaut wurde: Der Stadel wird zum Fahrradstadel, der Stall wird zum frostgeschützten Archiv; und die südseitige Laube wird zum sonnenverwöhnten und witterungsgeschützten Sitzplatz für das Café. So wird der Stall wieder neu belebt und verleiht dem ganzen Areal etwas von seinem Charme. Die Tore des Stadels stehen immer offen und laden ein das Fahrrad hier zu parken. Zusätzlich gibt es noch Fahrradstellplätze für Besucher im Bereich des Pfarrgartens.

Erdgeschosszone
Durch die großzügigen Fassadenöffnungen und die schwellenlosen Eingänge wird ein fließender Übergang zwischen Platz und Gebäude geschaffen. Neben dem zentralen Haupteingang ist es möglich Seminarraum, Café, Ausstellung und Allzweckraum direkt über den Hof zu erschließen. Diese Räume können bei größeren Veranstaltungen durch öffnen der mobilen Wände zusammengeschaltet werden. Der Allzweckraum liegt direkt an der Straße und erhält dadurch ein Schaufenster zum Ort — ideal für eine kleine Dorfwerkstatt.
Über den Haupteingang gelangt man direkt in ein großes Foyer welches die Ausstellung aufnimmt. Unmittelbar beim Eingang liegen zudem die gemeinsam genutzten WC-Anlagen und die Umkleiden. Es ist auch möglich das Foyer über eine mobile Glastrennwand vom Windfang abzutrennen.
Abtrennbare Büroflächen und die Nebenräume des Cafés liegen im rückwärtigen Gebäudebereich. Die Küche kann über den Parkplatz einfach beliefert werden und ist direkt an die Kräuter-Hochbeete angebunden. Ein kleiner Mehrzweckraum kann dem Café für besondere Anlässe zugeschaltet werden.

Innere Organisation und Bürolandschaft
Die innere Organisation des Gebäudes ist völlig wandelbar. Sie ermöglicht sowohl offene Raumkonzepte als auch kleinräumige Strukturen. So kann sich das  Gebäude über seinen Lebenszyklus immer wieder den wechselnden Bedürfnissen anpassen — dies garantiert auch eine langanhaltende Wertstabilität.
Der Innenraum ist Ausdruck einer Unternehmenskultur der Transparenz. Es gibt Sichtverbindungen über alle Etagen, man sieht wer ein- und ausgeht. Um Kommunikation zu fördern sind die Gemeinschaftszonen im 1. Obergeschoss um das zentrale Treppenhaus angeordnet und somit für alle Mieter auf kurzem Wege erreichbar. Diese Zonen haben auf Grund ihrer Bedeutung überhöhte Räume und nutzen so die Dachschräge optimal aus. Diese Überhöhe garantiert bei größeren Besprechungen zudem eine höhere Raumluftqualität.
Trotz seiner Offenheit bietet der Entwurf vielfältige Möglichkeiten abgetrennte Bereiche für einzelne Mieter zu schaffen, welche bei Bedarf auch erweitert oder verkleinert werden können. Die geschossübergreifenden Lufträume könnten mittels Brüstungsverglasungen, akustisch einfach voneinander abgetrennt werden.

Akustik
Offene Bürokonzepte brauchen eine gute Raumakustik um von den Mitarbeitern angenommen zu werden. Durch die 50%-Belegung der Decke mit Schallschluckfilz in Kombination mit der sägerauhen Holzoberfläche und den versetzten Deckenbalken, können auch ohne Teppich gute akustische Werte erreicht werden.

Brandschutz
Auf Grund der geringen Gebäudeabmessungen kann das Gebäude als sichtbare Holzkonstruktion realisiert werden. Der Entwurf garantiert zudem eine maximale Fluchtweglänge, von jeder Stelle des Gebäudes, kleiner 35m.  Somit sind kein abgetrenntes Fluchttreppenhaus und keine zusätzlichen Verkleidungen erforderlich. Das Café kann über mobile Brandschutzelemente abgetrennt werden. Der Rauch- und Wärmeabzug erfolgt über die Dachfenster.

Tragstruktur
Die Tragstruktur ist wie das Gebäude sehr einfach aufgebaut. Tragende Wände und Decken werden aus Massivholzelementen errichtet. Die Elemente werden aus sägerauhen Kanthölzern leimfrei gefügt (zB Dübelholz). Die Lastabtragung der Decken erfolgt über die Außenwände und einen Massivholzträger entlang der Gebäudelängsachse. Die Gebäudeaussteifung, insbesondere auf Grund der hohen Erdbebenkräfte, erfolgt im Verbund der Massivholzelemente mit  Holz-3S-Platten. Diese Lasten werden über ein Streifenfundament, und einzelne Fundamentträger aus Stahlbeton ins Erdreich übertragen. Auf eine energieintensive Bodenplatte und Unterkellerung wurde bewusst verzichtet.

Materialkonzept
Sämtliche Materialen wurden nach den Kriterien der Nachhaltigkeit ausgewählt. Neben ökologischen und ökonomischen Kriterien, welche separat beschrieben sind, betrifft das vor allem die sozialen Kriterien. In der Errichtung sind dies der Einbezug lokaler Ressourcen wie Handwerkstradition und Baustoffe, im Betrieb, Faktoren wie Materialhaptik und Lufthygiene. Die Materialsprache ist kräftig und puristisch, zugleich aber natürlich und zeitlos. Dies generiert im Innenraum eine Wohlfühlatmosphäre, welche bei Verwaltungsbauten zusehends gefragt ist. Denn nur Mitarbeiter die sich wohlfühlen, können ihre volle Leistungsfähigkeit abrufen. Architektur und Materialität leisten dazu einen großen Beitrag.
Die mineralisch beschichtete Holzfassade, integriert sich in die umgebende Bebauung und ist Ausdruck einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Architektur.


Nutzungskonzept – mögliche Varianten.
Zum Beispiel für unterschiedliche Öffnungszeiten von Café und Bürobereich. Bei steigendem Platzbedarf der Büroflächen oder für Workshops wäre es auch möglich den Arbeitsbereich auf Allzweckraum und Foyer zu erweitern.